Padel-Glossar

Tendinopathie beim PadelWarum Sehnen versagen und wie man sie wieder heilt

Die korrekte Wissenschaft hinter chronischen Sehnenschmerzen beim Padel – vom Cook-Purdam-Kontinuum bis zur belastungsbasierten Behandlung, die wirklich funktioniert.

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6–12+

Wochen bis zur Genesung – Sehnen bestehen aus Typ-I-Kollagen mit schlechter Blutversorgung; mittelschwere Tendinopathien heilen weit langsamer als Muskeln.

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Kontinuumsstufen – Cook und Purdam (2009) definierten reaktive, Tendon-Disrepair- und degenerative Stufen, die jeweils einen anderen Behandlungsansatz erfordern.

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Höchst gefährdete Sehnen beim Padel – Achillessehne, Patellarsehne und laterale Ellenbogen-Streckerursprungssehne sind die am stärksten belasteten Sehnen bei Padel-Bewegungen.

Kurz gesagt: Tendinopathie ist der korrekte Begriff für chronische Sehnenschmerzen. Es handelt sich um degenerative Gewebeveränderungen – keine Entzündung. Das bedeutet: „Tendinitis” ist irreführend, Entzündungshemmer bekämpfen den falschen Mechanismus, und Ruhe verzögert die Genesung. Das Cook-Purdam-Kontinuum zeigt dir, in welcher Stufe du dich befindest und welchen Belastungsansatz du verwenden solltest.

Was ist Tendinopathie?

Die korrekte Definition – und warum die Terminologie klinisch entscheidend ist

Tendinopathie ist ein pathologischer Zustand der Sehne, der durch lokalisierte Schmerzen, Schwellungen und eingeschränkte Funktion während und nach Belastung gekennzeichnet ist. Es ist der Oberbegriff, der in der Sportmedizin und Rehabilitationswissenschaft den Begriff „Tendinitis” weitgehend abgelöst hat – und der Unterschied ist nicht nur semantischer Natur.
Auf histologischer Ebene zeigt chronische Tendinopathie Kollagenunordnung, Neovaskularisation (Einwachsen neuer Blutgefäße) und ein auffälliges Fehlen der Entzündungszellen, die eine echte Tendinitis definieren. Der Schmerz entsteht durch mechanosensiitve Nozizeptoren, die auf strukturelle Veränderungen in der Sehnenmatrix reagieren – nicht durch aktive Entzündung.
Warum „Tendinitis” eine irreführende Bezeichnung ist

Die Behandlung von Tendinopathie als Tendinitis führt zu falschen Interventionen. NSAIDs (Ibuprofen) und Kortikosteroid-Injektionen zielen auf Entzündungswege ab, die beim chronischen Sehnenschmerz nicht der primäre Treiber sind. Kurzfristig können sie Symptome maskieren; langfristig hat sich gezeigt, dass wiederholte Kortison-Injektionen degenerative Veränderungen im Sehnengewebe beschleunigen. Wenn dein Hausarzt oder Physiotherapeut bei Schmerzen, die länger als 6 Wochen andauern, immer noch den Begriff „Tendinitis” verwendet, frage gezielt nach dem Cook-Purdam-Kontinuum und der belastungsbasierten Behandlung.

Das klinisch nützlichste Modell zum Verständnis und zur Behandlung von Tendinopathie im Sport ist das Kontinuum-Modell von Jill Cook und Craig Purdam aus dem Jahr 2009. Es bietet einen Rahmen, der das strukturelle Stadium der Sehne mit dem geeigneten Belastungsreiz verknüpft – und erklärt, warum pauschale Ruhe nicht funktioniert.
Terminologie im Überblick

Tendinopathie = der korrekte Begriff für chronische Sehnenschmerzen (strukturell, nicht entzündlich). Tendinitis = veraltet; impliziert eine Entzündung, die bei chronischen Fällen meist nicht vorliegt. Tendinosis = älterer Begriff speziell für das degenerative Stadium. Verwende Tendinopathie, es sei denn, ein Arzt hat eine akute reaktive Entzündung bestätigt.

Das Cook-Purdam-Kontinuum-Modell

Drei Stufen – drei verschiedene Behandlungsprotokolle

Das Kontinuum-Modell beschreibt Sehnenerkrankungen als Spektrum statt als binären gesund/verletzt Zustand. Zu verstehen, in welcher Stufe du dich befindest, ist entscheidend – denn der Belastungsansatz, der in einer Stufe hilft, kann in einer anderen schaden.

Stufe 1 – Reaktive Tendinopathie

Ausgelöst durch: plötzliche Erhöhung des Trainingsumfangs, Rückkehr nach einer Pause oder ein akutes Überlastungsereignis (hartes Match auf unbekanntem Untergrund).
Struktur: Die Sehne ist verdickt und geschwollen, aber die Kollagenarchitektur ist noch weitgehend intakt. Noch keine strukturelle Unordnung.
Wichtiges Merkmal: Diese Stufe ist bei richtiger Behandlung reversibel.
Behandlung: Relative Belastungsreduktion (kein vollständiger Verzicht) + isometrische Übungen. Schmerzfreie Isometrien, 45–60 Sekunden gehalten, haben einen analgetischen Effekt und erhalten den Kollagenreiz ohne zusätzliche Scherkräfte.
Was du NICHT tun solltest: Starke progressive Belastung in der reaktiven Phase treibt die Sehne in die nächste Stufe – deshalb ist „einfach durchbeißen” hier gefährlich.

Stufe 2 – Tendon Disrepair (gescheiterte Heilung)

Ausgelöst durch: fehlgeschlagenes Management der reaktiven Stufe – anhaltende Überlastung ohne Regeneration oder unvollständige Erholung aus der reaktiven Phase.
Struktur: Fehlgeschlagener Heilungsversuch – beginnende Kollagenunordnung, Zellmatrix zeigt Fibroblasten-Proliferation, auf bildgebenden Verfahren sichtbare strukturelle Störungen.
Wichtiges Merkmal: Teilweise reversibel – mit dem richtigen Belastungsreiz kann sich die Sehne noch reorganisieren.
Behandlung: Langsame isotonische Belastung mit Betonung der exzentrischen Komponente (langsame Absenkungsphase). Schweres Langsam-Widerstandsprotokoll: Steigerung von 3 x 15 Wdh. auf 3 x 6 Wdh. über 12 Wochen bei zunehmendem Gewicht.
Kortison in dieser Stufe: Kurzfristige Linderung ist möglich, beschleunigt aber den strukturellen Abbau. Eine Injektion vor einem wichtigen Turnier ist ein kalkuliertes Risiko; wiederholte Injektionen sind nicht empfehlenswert.

Stufe 3 – Degenerative Tendinopathie

Ausgelöst durch: jahrelang angesammelten Schaden, wiederholte fehlgeschlagene Heilungszyklen, altersbedingte Kollagenveränderungen.
Struktur: Ausgeprägte Kollagenunordnung, geschädigte Matrix, Neovaskularisation, Bereiche mit Zelltod (Apoptose). In der Bildgebung: hypoechogene Regionen im Ultraschall, Signalveränderungen im MRT.
Wichtiges Merkmal: Diese Stufe ist hinsichtlich der strukturellen Wiederherstellung weitgehend irreversibel – die Sehne kann aber noch funktionsfähig und schmerzfrei gemacht werden.
Behandlung: Gleiche Belastungsprinzipien wie in Stufe 2, aber der Fortschritt ist langsamer und die Rückkehr-zum-Sport-Ziele sind konservativer. Das Ziel ist schmerzfreie Funktion, keine strukturelle Heilung.
Wichtig: Degenerierte Sehnen haben ein höheres Risiko für Teil- oder Vollriss unter plötzlicher hoher Belastung – das ist besonders relevant für die Achillessehne und Patellarsehne beim Padel.
Warum Kortison in späteren Stufen problematisch ist

Kortikosteroid-Injektionen wirken, indem sie die Entzündungsreaktion unterdrücken. In Stufe 1 (reaktiv), wo echte Zellreaktivität vorliegt, können sie echte kurzfristige Linderung bieten.

In den Stufen 2 und 3 ist der schmerztreibende Mechanismus keine Entzündung – es sind strukturelle Unordnung und mechanosensiitive Nozizeption. Kortison adressiert dies nicht, und wiederholte Injektionen wurden mit dem Risiko eines Sehnenrisses in Verbindung gebracht.

Wenn dir eine Kortison-Injektion für Sehnenschmerzen angeboten wird, die länger als 6–8 Wochen andauern, bitte um eine Bildgebung (Ultraschall oder MRT) zur Stadienbestätigung, bevor du zustimmst.

Du kennst das Gefühl: Wochenlange, nagende Achillesschmerzen, dann rät dir ein Physiotherapeut, drei Wochen zu schonen – und beim ersten Spielen kehrt der Schmerz sofort zurück. Die meisten Spieler wissen nicht, dass Ruhe bei Tendinopathie keine Behandlung ist, sondern der Beginn eines Kreislaufs. Was wirklich hilft, ist progressive Belastung – die richtige Art, in der richtigen Stufe, im richtigen Tempo.

Welche Sehnen sind beim Padel am stärksten gefährdet?

Bewegungsanforderungen und die Sehnen, die sie am stärksten belasten

Padel stellt spezifische mechanische Anforderungen an den Körper, die bestimmte Sehnen besonders anfällig machen. Im Gegensatz zu Tennis beinhaltet Padel häufigere Richtungswechsel, mehr explosive Unterkörperaktionen auf engem Raum und einen griffbetonten, kompakten Schwung, der hohe Vibrationskräfte durch den Arm erzeugt. Jede dieser Anforderungen hat eine entsprechende Hochrisiko-Sehne.

Achillessehne

Warum Padel sie belastet: Sprünge am Netz, kraftvolles Abstoßen aus dem Hinterfeld, schnelle Beschleunigung und Abbremsung bei seitlichen Sprints.
Typische Präsentation: Schmerzen 2–6 cm oberhalb des Fersenansatzes nach Matches oder am Morgen nach einer Session. Morgendliche Steifheit, die sich mit Bewegung löst, ist ein charakteristisches Merkmal der Mid-Portion-Achilles-Tendinopathie.
Padel-spezifischer Risikofaktor: Padel-Schuhe mit geringerem Fersenabsatz als Laufschuhe verändern den Belastungswinkel auf die Achillessehne – Spieler, die Schuhkategorien wechseln ohne Anpassungsphase, sind gefährdet.
Vollständiger Leitfaden: Siehe /de/verletzungen/padel-achillessehne/ für das komplette Diagnose- und Belastungsprotokoll.

Patellarsehne

Warum Padel sie belastet: Explosive Kniebeuge-Bewegungen beim Erreichen tiefer Bälle, Landungen nach Sprüngen am Netz und die wiederholten Abbremsungskräfte bei seitlichen Bewegungen.
Typische Präsentation: Lokalisierter Schmerz am unteren Pol der Kniescheibe, am stärksten während und unmittelbar nach Belastung. Klassischerweise Verschlechterung beim Treppensteigen abwärts.
Padel-spezifischer Risikofaktor: Harte Hallenböden bieten weniger Energierückgabe als Sand-/Sandplätze – Spieler, die hauptsächlich auf harten Innenplätzen spielen, haben eine höhere Patellarsehnenbelastung pro Session.
Vollständiger Leitfaden: Siehe /de/verletzungen/padel-patellarsehne/ für das komplette Diagnose- und Rehabilitationsprotokoll.

Streckerursprung (lateraler Ellenbogen) – Padel-Ellenbogen

Warum Padel ihn belastet: Der kompakte Padel-Schwung erzeugt hohe Abbremskräfte durch den Unterarm beim Ballkontakt. Vibrationen von den Glaswänden übertragen sich direkt auf den Streckerursprung am lateralen Epikondylus.
Typische Präsentation: Druckschmerz direkt über dem lateralen Epikondylus (Knochenvorsprung an der äußeren Ellenbogenseite), Schmerzen beim Greifen des Padel-Griffs, Schwäche beim Strecken des Handgelenks gegen Widerstand.
Padel-spezifischer Risikofaktor: Spieler mit einem Western-Grip oder solche, die Volleys mit offenem Handgelenk spielen, erzeugen höhere exzentrische Belastungen am Streckerursprung.
Vollständiger Leitfaden: Siehe /de/verletzungen/padel-ellenbogen/ für den vollständigen Leitfaden einschließlich Griffanpassungen und Belastungsprotokoll.

Rotatorenmanschette (Schulter)

Warum Padel sie belastet: Smash-Versuche über dem Kopf erfordern eine schnelle Außenrotation der Schulter und dann eine kraftvolle Innenrotation beim Ballkontakt – eine hochgeschwindige exzentrische Belastung der Rotatorenmanschette.
Typische Präsentation: Schmerzen an der Vorder- oder Außenseite der Schulter bei Bewegungen über dem Kopf, Schwäche beim Heben des Arms über Schulterhöhe, Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite.
Padel-spezifischer Risikofaktor: Spieler, die Smashes jenseits ihrer aktuellen Schulterbewegl ichkeit und -kraft versuchen – insbesondere solche, die nach anderen Schlägersportarten zum Padel wechseln, wo andere Smash-Mechanismen gelten.
Hinweis: Rotatorenmanschetten-Tendinopathie ist von einem Rotatorenmanschettenriss zu unterscheiden – eine Bildgebung ist ratsam, wenn die Symptome schwerwiegend oder langanhaltend sind.

Belastung ist die Therapie

Das progressive Belastungsframework für die Tendinopathie-Rehabilitation

Das zentrale Prinzip der Tendinopathie-Rehabilitation ist die Mechanotherapie: Sehnen reagieren auf mechanische Belastung, indem sie ihre Kollagenstruktur anpassen. Belastung ist der Heilungsreiz. Das bedeutet, dass die richtige Reaktion auf Tendinopathie nicht Ruhe ist – sondern die richtige Art von Belastung, in der richtigen Intensität, progressiv über Zeit angewendet.
Ruhe führt zu Sehnenatrophie – das Kollagennetzwerk schwächt sich weiter ab, die Sehne wird weniger belastbar, und wenn du zum Sport zurückkehrst, steigt das Risiko eines erneuten Aufflackerns oder Risses. Das ist der Kreislauf, den die meisten Padel-Spieler kennen: Schmerz, Ruhe, Rückkehr, Wiederverletzung.

Phase 1 – Isometrische Belastung (Schmerzlinderung und erster Reiz)

Was es ist: Statische Muskelkontraktion bei einem festen Gelenkwinkel ohne Bewegung durch den Bereich.
Ausführung: Position 45–60 Sekunden bei moderater Intensität (5–6 von 10 Anstrengung) halten. 4–5 Wiederholungen, ein- bis zweimal täglich.
Warum es wirkt: Isometrische Kontraktionen erzeugen einen sofortigen analgetischen Effekt (kortikale Schmerzhemmung) und liefern einen Kollagenreiz ohne die Scherkräfte dynamischer Belastung.
Wann einsetzen: Reaktive Stufe (Stufe 1), akute Aufflackerer in Stufen 2 und 3, und als Schmerzmanagement-Tool vor dem Match.
Beispiel für die Achillessehne: Stehende Wadenhebeübung in der Mitte des Bereichs 45 Sekunden x 5 Wdh. halten – kann zweimal täglich durchgeführt werden, ohne die Sehne zu verschlechtern, wenn die Belastung angemessen ist.

Phase 2 – Isotonische Belastung / Schweres Langsam-Widerstandstraining (HSR)

Was es ist: Langsame, kontrollierte Bewegung durch den vollen Bereich – sowohl die konzentrische (Muskelverkürzung) als auch die exzentrische (Muskelverlängerung) Phase werden in gleichem langsamen Tempo ausgeführt.
Tempo: 3 Sekunden konzentrisch + 1 Sekunde halten + 3 Sekunden exzentrisch. Dieses langsame Tempo maximiert den Kollagen-Belastungsreiz im Vergleich zu schneller ballistischer Belastung.
Startprotokoll: 3 Sätze x 15 Wiederholungen bei einem Gewicht, das sich moderat anfühlt (5 von 10 Anstrengung). 2–3 Minuten Pause zwischen den Sätzen.
Progression: Über 12 Wochen Belastung erhöhen und Wiederholungen reduzieren – Fortschritt in Richtung 3 Sätze x 6 Wdh. bei höherer Last. Dies spiegelt das schwere Langsam-Widerstandsprotokoll (HSR) wider, das für Patellar- und Achilles-Tendinopathie validiert wurde.
Schmerzregel: Bis zu 3 von 10 Schmerzen während der Übung sind akzeptabel. Schmerzen über 5 von 10 bedeuten, dass die Belastung zu hoch ist. Schmerzen am Folgetag, die innerhalb von 24 Stunden nicht auf den Ausgangswert zurückgekehrt sind, bedeuten, dass du die Kapazität überschritten hast.

Phase 3 – Energiespeicherung und -rückgabe (sportspezifische Belastung)

Was es ist: Schnellere, explosivere Belastung, die die Anforderungen des Padelns nachahmt – Hüpfen, Springen, seitliches Abbremsen und Schlagübungen.
Wann in diese Phase übergehen: Erst nachdem die Belastung in Phase 2 bei vollem Arbeitsgewicht schmerzfrei ist und die 24-Stunden-Regel konsistent eingehalten wird.
Warum diese Phase wichtig ist: Sehnen beim Padel müssen nicht nur Belastung absorbieren – sie müssen elastische Energie schnell speichern und zurückgeben. Phase 2 baut die strukturelle Basis; Phase 3 trainiert das Energiesystem.
Beispiele: Einbeinige Wadenhüpfer (Achillessehne), seitliche Kastenschritte mit Abbremsung (Patellarsehne), Handgelenkstreckung mit Band (Streckerursprung).
Die 24-Stunden-Regel

Überwache nach jeder Belastungseinheit deinen Schmerzzustand am folgenden Morgen. Wenn der Schmerz innerhalb von 24 Stunden auf sein Ausgangsniveau vor der Einheit zurückgekehrt ist, war die Belastung angemessen. Wenn der Schmerz über 24 Stunden hinaus erhöht bleibt, reduziere Volumen oder Intensität in der nächsten Einheit. Diese Regel gilt während der gesamten Rehabilitation – nicht nur in den frühen Phasen.

Rückkehr zum Padel mit Tendinopathie

Progressive Rückkehrkriterien und das Überwachungs-Framework

Ein häufiger Fehler ist, auf null Schmerzen zu warten, bevor man auf den Platz zurückkehrt. Dieser Maßstab ist weder notwendig noch praktikabel – die meisten Padel-Spieler in der Saisonmitte würden bei Tendinopathie nie zurückkehren, wenn null Schmerzen das Kriterium wäre. Der evidenzbasierte Richtwert ist kontrollierter, überwachter Schmerz statt keiner Schmerzen.

Rückkehr-zum-Spiel-Kriterien

Schmerzen bei Aktivität: bis zu 3 von 10 sind bei Platzübungen und Match-Play akzeptabel. Schmerzen über 5 von 10 bedeuten, dass du die Sehnenkapazität überschreitest.
24-Stunden-Regel: Schmerzen nach dem Spiel müssen innerhalb von 24 Stunden auf den Ausgangswert vor der Einheit zurückkehren. Das ist der nicht verhandelbare Überwachungsstandard.
Phase-2-Belastung abgeschlossen: Du solltest die relevante isotonische Belastungsübung bei Arbeitsgewicht schmerzfrei ausführen können, bevor du zum Match-Play zurückkehrst.
Irritabilitätsfenster der Sehne: In den 24 Stunden vor einem wichtigen Match starke Belastung der Sehne vermeiden – das reaktive Fenster bedeutet, dass das Gewebe nach einem Belastungsreiz empfindlicher ist.

Progressives Rückkehr-Protokoll

Woche 1–2: Nur Rally-Übungen – kontrolliertes Schlagen bei reduzierter Intensität. Keine Wettkampfpunkte.
Woche 3–4: Kooperatives Punktspiel – strukturiertes Rallying mit einem Partner. Überwachung mit der 24-Stunden-Regel nach jeder Einheit.
Woche 5–6: Volles Match-Play bei reduzierter Häufigkeit – maximal ein Match pro Woche mit zwei vollen Regenerationstagen zwischen den Einheiten.
Woche 7+: Progressiver Rückkehr zur normalen Match-Häufigkeit basierend auf anhaltender 24-Stunden-Regel-Einhaltung.
Dauerhaft: Phase-2-Erhaltungsbelastung (2 Einheiten pro Woche) unbegrenzt fortführen, um die Sehnenkapazität zu erhalten – Sehnen mit Tendinopathie benötigen anhaltende Reize, sonst nehmen sie ab.
Sehnenkapazität vor der Saison aufbauen

Der beste Zeitpunkt zur Behandlung von Tendinopathie ist, bevor sie sich entwickelt. Ein 6–8-wöchiger progressiver Belastungsblock zu Saisonbeginn – bevor die Wettkampfintensität anzieht – reduziert das Auftreten von Tendinopathie-Aufflackerern in der Saison erheblich. Das ist das Prinzip hinter den Präventions-Hub-Programmen unter /de/praevention/.

Wenn du Tendinopathie durch eine Padel-Saison managen musst, ist die Überwachung der Belastung über die Woche (gesamte Platzzeit + Trainingsvolumen) die einzeln nützlichste Variable. Sprünge im wöchentlichen Belastungsvolumen – mehr als 10 % Zunahme von Woche zu Woche – sind der häufigste Auslöser für reaktive Aufflackerer bei Spielern mit Tendinopathie-Vorgeschichte.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Tendinopathie und Tendinitis?

Tendinitis impliziert speziell eine Entzündung der Sehne (das Suffix „-itis” bedeutet Entzündung). Tendinopathie ist der breitere, genauere Begriff für chronische Sehnenschmerzen und -dysfunktion. Die Forschung hat gezeigt, dass die meisten chronischen Sehnenschmerzen – also solche, die länger als ein paar Wochen andauern – auf histologischer Ebene keine nennenswerte Entzündung aufweisen. Stattdessen zeigen sie Kollagenunordnung, Neovaskularisation und strukturelle Veränderungen in der Sehnenmatrix. Die Behandlung von Tendinopathie als Tendinitis führt zu Interventionen (NSAIDs, Kortison), die den falschen Mechanismus adressieren. Tendinopathie ist der Begriff, den Sportmediziner verwenden, und sollte der Standard für jeden Sehnenschmerz sein, der sich nicht innerhalb von 4–6 Wochen aufgelöst hat.

Wie lange dauert es, bis Tendinopathie heilt?

Die Sehnenheiling ist aufgrund der schlechten Blutversorgung des Sehnengewebes deutlich langsamer als die Muskelheilung (Sehnen bestehen hauptsächlich aus Typ-I-Kollagen mit eingeschränkter Gefäßversorgung). Eine milde reaktive Tendinopathie, die richtig behandelt wird, kann in 4–8 Wochen abklingen. Eine mittelschwere Tendinopathie im Tendon-Disrepair-Stadium erfordert typischerweise 12–16 Wochen progressive Belastungsrehabilitation, bevor eine vollständige Rückkehr zum Wettkampfsport möglich ist. Degenerative Tendinopathie „heilt” im strukturellen Sinne nicht – das Ziel ist schmerzfreie Funktion durch Belastungsanpassung. Während dieser Zeit kann man oft modifizierte Aktivität fortsetzen, wobei die 24-Stunden-Regel das Belastungsmanagement leitet.

Kann ich mit Tendinopathie Padel spielen?

In den meisten Fällen ja – mit entsprechenden Anpassungen. Die wichtigsten Richtwerte sind: Schmerzen beim Spielen sollten bei maximal 3 von 10 bleiben, und Schmerzen nach dem Spielen sollten innerhalb von 24 Stunden auf den Ausgangswert zurückkehren (die 24-Stunden-Regel). Wenn eine der Schwellen überschritten wird, überschreitest du die Sehnenkapazität und musst die Belastung reduzieren. Vollständige Ruhe wird bei Tendinopathie nicht empfohlen; modifiziertes Spielen begleitend zur progressiven Belastung ist der evidenzbasierte Ansatz. Wenn die Bildgebung jedoch einen Teil- oder Vollriss der Sehne zeigt, sollte die Rückkehr-zum-Spiel-Entscheidung gemeinsam mit einem Sportmediziner getroffen werden.

Was ist das Cook-Purdam-Kontinuum-Modell?

Das Cook-Purdam-Kontinuum ist ein Modell der Sehnenerkrankung, das von den Forschern Jill Cook und Craig Purdam im Jahr 2009 vorgeschlagen wurde. Es beschreibt Tendinopathie als Spektrum mit drei Stufen: reaktive Tendinopathie (akute Überlastung, intaktes Kollagen, reversibel), Tendon Disrepair (gescheiterte Heilung, partielle Kollagenunordnung, teilweise reversibel) und degenerative Tendinopathie (erhebliche strukturelle Schäden, weitgehend irreversibel, aber behandelbar). Das Modell ist klinisch nützlich, weil jede Stufe einen anderen Behandlungsansatz erfordert – isometrische Belastung für die reaktive Stufe, langsame isotonische Belastung für Disrepair- und degenerative Stufen. Das Verständnis, in welcher Stufe du dich befindest, verhindert die Anwendung der falschen Behandlung zum falschen Zeitpunkt.

Warum ist Ruhe bei Tendinopathie kontraproduktiv?

Ruhe ist bei Tendinopathie kontraproduktiv, weil Sehnen mechanische Belastung benötigen, um ihre Kollagenstruktur aufrechtzuerhalten. Ohne regelmäßigen Belastungsreiz wird das Sehnenkollagen desorganisiert, die Tenozyten-Aktivität nimmt ab, und die Sehne verliert die Fähigkeit, die Kräfte des Sports aufzunehmen. Das bedeutet, dass längere Ruhe typischerweise zu einer schwächeren Sehne führt, die anfälliger für Aufflackerer ist, wenn du zum Spielen zurückkehrst – das ist der klassische Ruhe-Rückkehr-Wiederverletzungs-Kreislauf, den viele Padel-Spieler kennen. Der richtige Ansatz ist relative Ruhe (Belastung auf ein Niveau reduzieren, das innerhalb der 24-Stunden-Schmerzregel bleibt) kombiniert mit progressiven Belastungsübungen, die dem Kontinuumsstadium angemessen sind.

Was ist das schwere Langsam-Widerstandsprotokoll (HSR) für Tendinopathie?

Das schwere Langsam-Widerstandsprotokoll (HSR – Heavy Slow Resistance) ist eine progressive Belastungsmethode, die in der Forschung für Patellar- und Achilles-Tendinopathie validiert wurde. Es verwendet langsam-tempo isotonische Übungen (3 Sekunden konzentrisch, 1 Sekunde halten, 3 Sekunden exzentrisch) bei progressiv steigenden Lasten. Das Protokoll beginnt typischerweise bei 3 Sätze x 15 Wiederholungen bei moderater Last und schreitet über 12 Wochen auf 3 Sätze x 6 Wiederholungen bei höherer Last fort. Das langsame Tempo ist entscheidend – es maximiert den mechanischen Kollagenreiz im Vergleich zu schneller oder ballistischer Belastung. HSR wird 3-mal pro Woche mit Ruhetagen zwischen den Einheiten durchgeführt, wobei die 24-Stunden-Regel die Lastprogression leitet.

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